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Volleyball-Regeländerungen, voraussichtlich ab kommender Saison

[DVV] Regeländerungen: Europapokal-Teilnehmer müssen neue Regeln beachten - Seit dem 1. Januar gelten bei Wettbewerben der FIVB sowie der CEV einige neue Spielregeln. Somit müssen auch die vier Bundesligisten, die noch im Europapokal aktiv sind, sich auf diese einstellen und anwenden. Im Spielverkehr des DVV werden die Regeln in der laufenden Saison noch nicht umgesetzt. [Volleyball-Verband.de]

Vermutlich hast Du den Bericht des DVV ebenso gelesen wie ich. Hier noch einmal von mir zusammengefasst, kommentiert und subjektiv eingefärbt. 

Der FIVB hat sich also nochmal auf den Allerhintersten gesetzt und sich ein paar Gedanken gemacht, was man verbessern kann. Und in der Tat, ich finde, es ist ihm gelungen. Mit der Umsetzung der Regeländerungen erwarte ich ein flüssigeres Spielen mit weniger Unterbrechungen -- mit Betonung auf Spielen im Kontrast zum Regeln einhalten. Einige Fehlerregeln sind entschärft worden, der Spielerwechsel läuft intuitiver ab.

Für internationale Begegnungen sind die Regeländerungen bereits mit dem Jahreswechsel eingeführt worden; der DVV verzichtet allerdings auf die Einführung in der laufenden Saison. Man darf aber sicherlich davon ausgehen, dass sie ab der kommenden Saison auch DVV-weit gültig sind.

Im Einzelnen:

1. Spielerwechsel

Die bisherige Beantragung eines Spielerwechsels kann, aber muss nicht mehr vom Coach oder Spielführer durch das übliche Handzeichen angezeigt werden -- Dieses Handzeichen bewirkt offiziell gar nichts mehr beim Schiedsgericht und wird höchstens noch dazu dienen, die Aufmerksamkeit des 2. SR auf das Folgende zu lenken.

  • Es reicht nun aus, wenn sich der einzuwechselnde Spieler in die Wechselzone begibt. Diese Aktion, nicht das Handzeichen, ist nun für den 2. SR der eigentliche Wechselantrag, den er durch einen Pfiff annimmt.

Dabei hat der einzuwechselnde Spieler den auszuwechselnden bekannt zu geben. Für internationale und Bundesliga-Spiele sind dafür schon seit einiger Zeit Nummerntafeln vorgesehen, die der Spieler in der Hand hochhält. Ich vermute, dass die verbale Bekanntgabe in den Ligen unterhalb der BL als ausreichend vorgesehen sein wird.

Diese Regelung trägt zum flüssigeren Spielverlauf bei. Ich erwarte weniger Sanktionen wegen Spielverzögerung, die bislang ausgesprochen wurden, weil z.B. nach Wechselantrag durch den Trainer und Annahme durch den 2. SR per Pfiff der Spieler noch nicht bereit war. Zudem halte ich die neue Regelung für unbürokratischer und intuitiver: Der Trainer schickt einfach den neuen Spieler in die Wechselzone, und gut is'.

Es gibt noch Unterschiede im Ablauf je nachdem, ob ein Summer am Anschreibetisch steht oder nicht, aber das betrifft uns eher nicht.

2. Netzberührungen

Mit den Regeländerungen werden Berührungen des Netzes durch einen Spieler nur noch dann als Fehler geahndet:

  • wenn der Spieler das obere Netzband oder den oben herausragenden Teil der Antenne berührt (also i.d.R. beim Angriff oder beim Block),
  • wenn er sich oder seiner Mannschaft dadurch einen Vorteil verschafft (z.B. durch Herunterziehen des Netzes),
  • oder wenn er den Gegner dadurch an seiner Spielaktion behindert.

Die Netzberührungsregeln sind also weiterhin entschärft worden -- und das ist auch gut so. Denn wie oft wurden spannende Ballwechsel nur deswegen abgepfiffen, weil der Verteidiger am Netz beim Umdrehen mit der Schulter ans Netz kam, oder weil der Angreifer ein wenig zuviel Anlauf genommen hatte und nach Schlag und Landung das Netz mit der Brust touchierte -- ohne dass es ansonsten irgend jemanden kümmerte und, vom SR abgesehen, überhaupt bemerkte. Dieses kleinkarierte Gepfeife ist nun vorbei.

3. Übertreten

Ähnliches gilt nun für das Übertreten der Mittellinie: Sie darf nun mit jedem Körperteil "übertreten" werden, außer mit den Füßen. Was das Übertreten mit den Füßen angeht, bleibt dies beim Alten.

Ausnahme: Wenn der Gegner durch Übertreten behindert wird (Als Beispiel wird ein Schweißfleck genannt, der zum Ausrutschen führen kann; ich kann mir auch weitere, direkte Behinderungen vorstellen), dann ist das ein Fehler.

Letztlich geht es hierbei 'nur' um die Hände des (hingefallenen) Spielers, die bislang vom SR wie 'Füße' zu behandeln waren. Aber auch diese Regelentschärfung dient meiner Ansicht nach dem Spielfluss -- in den Fällen natürlich nur, in denen eine eventuelle Gefährdung von Spielern nicht in Betracht kommt.

4. Mannschaftsstärke

Diese Neuregelung wird auch jetzt noch nicht in den genannten internationalen Begegnungen umgesetzt. Sie steht aber auf der Liste, und ich erwarte die Einführung durch FIVB und DVV mit Beginn der kommenden Saison.

Es geht um Folgendes:

  • Die maximale Mannschaftsstärke wird von 12 auf 14 Spieler erhöht.
  • Davon dürfen nun 2 Spieler als Libero agieren.

Die zwei Liberos dürfen natürlich nicht gemeinsam auf dem Feld stehen. Aber sie dürfen sich abwechseln und sich gegenseitig als Ersatz dienen. Damit ist meiner Ansicht nach eine gewissermaßen 'improvisierte' Regel vernüftiger ausgebaut worden, die eine eventuelle Verletzung des (bisher einzigen) Liberos betrifft; bislang galt, dass in diesem Fall ein anderer Spieler die Liberorolle übernehmen kann und sie für den Rest des Spiels behalten muss.

Zudem ist die Erhöhung der Spielerzahl auf 14 Spieler eine sinnvolle Konsequenz der 2-Libero-Regel. Schon mit der Einführung des einen Liberos hätte meiner Meinung nach die maximale Spielerzahl auf 13 erhöht werden müssen, damit nach wie vor der Startaufstellung von 6 Spielern eine Reserve von ebenfalls 6 'echten' Ersatzspielern gegenüber steht.

Meine Einschätzung

Wie ich die Änderungen der Regeln im Allgemeinen bewerte, habe ich bereits im Einzelfall geäußert. Die Umsetzung in unserem Spielalltag, sollten all diese Regeländerungen tatsächlich mit der kommenden Saison gültig werden, halte ich stellenweise für nicht ganz einfach.

Das Hauptproblem wird sein, dass diese nicht allzu spektakulären Regeländerungen an vielen Aktiven in den Hobby- und unteren Leistungsligen einfach vorbeilaufen oder sich in vielen Köpfen erst später einbrennen wird. Ich sehe viele Proteste und Diskussionen während der Spiele auf uns zukommen, ganz besonders im Hinblick auf die des Öfteren vorkommenden Netzberührungen: Ich höre jetzt schon das Geschrei der Spieler, wenn ihr Gegner am Netz eben dieses leicht berührt und der Schiri dies nicht abpfeift. Oder andersrum: Er pfeift ab und will nicht einsehen, dass dies kein Fehler war.

Ebenso mag der eine oder andere Coach beim Versuch, einen Spielerwechsel zu beantragen, sich die Arme aus den Gelenken kurbeln, während der 2. SR ihm dabei ungerührt -- und ungepfiffen -- zusieht...

Es liegt letztendlich daran, wie die Aktiven sich auf dem Laufenden halten, vor allem wie die Schiedsrichter sich weiterbilden. Des Weiteren wird viel von der Kommunikationsbereitschaft der Beteiligten vor einem Spiel abhängen, um eventuelle Wogen zu glätten, bevor sie sich zu kräuseln beginnen. Trotzdem denke ich, dass uns mit den Regeländerungen in der nächsten Saison eine kurze, aber spannende Übergangsphase ins Haus kommen wird.

Andreas

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Kommentare

Andreas Pohl
28. Januar 2009 - 14:58
Bild von Andreas Pohl

Schande über mich! Wie konnte ich denn das behaupten: "Letztlich geht es hierbei 'nur' um die Hände des (hingefallenen) Spielers..." Das ist doch so gar nicht wahr! Jetzt musste ich glatt nochmal nachschlagen:

11.2 Eindringen unterhalb des Netzes
11.2.2 Eindringen in das gegnerische Feld über die Mittellinie:
11.2.2.1 Die Berührung des gegnerischen Feldes mit einem Fuß (beiden Füßen) oder mit einer Hand (beiden Händen) ist gestattet, wenn ein Teil des (der) übertretenden Fußes (Füße) oder der Hand (Hände) sich auf der Mittellinie oder direkt über ihr befindet (befinden).
11.2.2.2 Das Berühren des gegnerischen Feldes mit einem anderen Körperteil ist untersagt.
11.2.3 Nachdem der Ball aus dem Spiel ist, darf ein Spieler in das gegnerische Feld eindringen.
11.2.4 Ein Spieler darf in die gegnerische Freizone eindringen, vorausgesetzt, dass er das gegnerische Spiel nicht behindert.

Es geht also nicht 'nur' um die Hände! Es geht um alle Körperteile bis auf die Füße. Wie konnte ich nur denken, dass man mit einem anderen Körperteil (Knie, Ellenbogen) das gegnerische Feld berühren dürfe?

Na gut, die Frage stellt sich ja hoffentlich in der kommenden Saison nicht mehr...