Showcase
Volleyball-Regeländerungen, gültig ab 1. Juli 2009
(30.06.2009: Ergänzung; siehe unten)
Wie erwartet - siehe Artikel "Volleyball-Regeländerungen, voraussichtlich ab kommender Saison" - hat der DVV einige Regeländerungen eingeführt und bereits ab dem 01.07.2009 'scharfgeschaltet'.
Es sind denn im Großen und Ganzen jene Änderungen, die ich im erwähnten Artikel bereits angerissen habe, mit kleinen Abweichungen. Zudem werden in der bald erscheinenden neuen, der 44. Auflage des Regelwerks eine Reihe von Klärungen und Neuformulierungen eingearbeitet sein. Ich will hiermit versuchen, die Neuerungen möglichst übersichtlich aufzuzeigen.
1. Detail- und Formulierungsänderungen, Begriffsklärungen
... unter anderem auch bezüglich der Frage, wann Auszeiten und Spielerwechsel beantragt werden dürfen: nur in Unterbrechungen. Eine Unterbrechung ist definiert als die Zeit zwischen einem vollendeten Spielzug ("vollendet" = mit einem Punkt abgeschlossen) und dem Anpfiff zum nächsten Aufschlag. Daraus folgt, dass bei Wiederholungen des Spielzuges ("Doppelfehlern") keine Auszeiten und Wechsel, übrigens auch kein Liberoaustausch möglich sind - da nunmal kein Punkt vergeben wurde und damit der Spielzug nicht "vollendet" ist.
Des weiteren wird nun klargestellt, dass sowohl der erste wie auch der zweite Schiedsrichter gleichberechtigt zuständig sind für Entscheidungen bezüglich Blocks von Hinterspielern bzw. Blockversuche von Liberos sowie insbesondere bei fehlerhaften Angriffen von Hinterspielern und Liberos. Ebenso klar wird die Zuständigkeit des 2. SR bei "Antennen-Aus" auf seiner Seite festgelegt (Ball berührt die Antenne, Ball geht 'außen' vorbei).
Bezüglich des Liberos ist nun klar ausformuliert, was geschieht, wenn der Libero verspätet, also erst nach dem Anpfiff, aber noch vor dem Aufschlag ein- oder austauscht: Beim ersten Mal wird der Tausch noch nicht abgewiesen, aber nach Spielzugende wird die Mannschaft mit einer mündlichen Ermahnung belegt. Im Wiederholungsfall wird der Spielzug abgebrochen und eine Sanktion wegen Verzögerung ausgesprochen - also, wenn nicht bereits vorher schon aus anderem Grunde erteilt, erst eine "Verwarnung wegen Verzögerung" nach Regel 16.2.2, die außer dem Eintrag in den Spielbericht noch keine weiteren Folgen für das Team hat.
2. Spielerwechsel
Der Antrag eines Spielerwechsels ist nicht mehr das Wechselzeichen vom Trainer, sondern ausschlaggebend ist das Betreten der Wechselzone durch den/die Einwechselspieler während einer Unterbrechung.
Folgender Ablauf ist vorgesehen:
- Ein Spieler betritt die Wechselzone.
- Der 2. Schiedsrichter bestätigt diesen Wechselantrag mit einem Pfiff - ohne Wechselhandzeichen, das fällt für ihn weg. Der 1. SR dagegen führt es noch aus (nach wie vor ohne Pfiff), quasi zur Bestätigung der Bestätigung.
- Der 2. SR nimmt nun eine Position zwischen Pfosten und Schreibtisch ein (nicht mehr wie bisher auf dem Schnittpunkt der Angriffs- (3-Meter-) mit der Seitenlinie), mit Blick zum Schreiber, welcher während seiner Eintragung eine Hand hebt.
- Der 2. SR genehmigt dann den Wechselantrag durch Überkreuzen der Arme ("durchwinken"); wenn der Schreiber seine Eintragung beendet hat, hebt er beide Hände.
Wenn mehrere Spieler eingewechselt werden sollen, dann müssen sie die Wechselzone gleichzeitig betreten, damit es als ein (Mehrfach-) Wechselantrag gewertet werden kann.
- In diesem Fall "schiebt" er alle außer einem Einwechselspieler wieder aus der Zone heraus und
- 'dirigiert' wie gewohnt jeden einzelnen Wechsel.
Es ist ab sofort der 2. Schiedsrichter, welcher Wechselanträge gegebenenfalls zurückweist, z.B. weil der Einwechselspieler nicht vollständig umgezogen in die Wechselzone humpelt oder weil er zu spät kommt (Der 1. SR hat bereits zum Aufschlag angepfiffen) oder wenn ein zweiter Spieler erst dann in die Wechselzone geht, während bereits ein Wechsel im Gange ist. Ein zurückgewiesener Wechselantrag wird vom 1. SR nur noch dann mit einer Sanktion wegen Spielverzögerung belegt, wenn es tatsächlich zu einer Verzögerung gekommen ist - also in den genannten Beispielen eher nicht, dagegen z.B. i.d.R. dann, wenn der Einwechsel- versehentlich einen Auswechselspieler nennt, der aktuell gar nicht auf dem Feld steht.
3. Berühren des Netzes
Das Berühren des Netzes ist nun grundsätzlich erlaubt, auch während einer Spielaktion. Ebenso das Berühren der Pfosten, Spannseile usw. außerhalb der Antennenbegrenzung. Alles nur wie gewohnt unter der Bedingung, dass die Berührung keinen Einfluss auf das Spiel hat. Als Spielbeeinflussung wird jedwede Vorteilsnahme durch die Netzberührung gewertet, wie z.B. das Herunterziehen des Netzes während eines Angriffs. Als weiteres (m.E. sehr strenges) Beispiel einer Vorteilsnahme wird diese Situation beschrieben: "Spieler fasst 'hinter das Netz' in den gegnerischen Raum und spielt den Ball von dort unter Berührung des Netzes zurück." Dagegen wird explizit erwähnt, dass der Zuspieler beim Stellen – "beliebig deutlich" – das Netz berühren darf.
Aber: Was nach wie vor bei einer Spielaktion nicht berührt werden darf, ist das Band an der oberen Netzkante zwischen den Antennen sowie die Antennen selbst (der oben herausschauende Teil).
4. "Übertreten" der Mittellinie
Nach wie vor gilt, dass die Berührung des gegnerischen Feldes mit einem Fuß (oder beiden Füßen) nur dann erlaubt ist, wenn der Fuß (die Füße) sich teilweise auf oder über der Mittellinie befindet (befinden). Bezüglich aller anderen Körperteile gilt neuerdings, dass man mit ihnen das gegnerische Feld berühren darf, wenn dadurch das Spiel des Gegners nicht beeinflusst wird.
Im Extremfall darf ein Spieler also nun in fast voller Körperlänge unter dem Netz durch im gegnerischen Feld landen, solange seine Füße noch im eigenen Feld bleiben oder die Mittellinie berühren - und natürlich das Spielgeschehen beim Gegner gerade woanders stattfindet.
5. Libero, Mannschaftsstärke
Eine Mannschaft kann von ihren nach wie vor maximal 12 Spielern nun bis zu zwei Liberos bennen. Nur bei FIVB- und World-Wettbewerben kann eine Mannschaft aus mehr als 12, nämlich aus bis zu 14 Spielern bestehen; in diesem Fall müssen zwei Liberos benannt werden. Bei zwei Liberos im Team ist ein Libero der "spielende", der andere der "Ersatz-Libero". Dieser kann einmal im gesamten Spiel den spielenden Libero ersetzen - aus beliebigem Grund. Der ersetzte Libero darf danach nicht mehr mitspielen. Sollte sich dann der Ersatz-Libero verletzten (oder sollte überhaupt nur mit einem Libero gespielt werden), so greift die bisherige Regel, dass der Trainer jeden anderen, derzeit nicht auf dem Feld befindlichen Spieler zum neuen Libero bestimmen kann, außer den ersetzten ersten Libero. Sollte in diesem Fall der Mannschaftskapitän als neuer Libero auftreten, so müsste er sein Amt bis zum Spielende abgeben.
An dieser Stelle würde ich meine Einschätzung dieser Regeländerungen, meine persönliche Sicht der Dinge anfügen - wenn sie sich gegenüber jener geändert hätte, die ich bereits im oben genannten Artikel geäußert habe. So aber verweise ich einfach nochmals auf den Artikel und erspare mir ein wenig Schreibarbeit.
Für angehende und ausführende Schiedsrichter und Trainer, für Ungläubige und andere Detailverliebte hänge ich hier noch die offizielle Fassung der DVV-"Regelinformation" vom 07.06.2009 an, herausgegeben vom Bundesschiedsrichteraussschuss, in der die Änderungen des Regelwerks aufgelistet und mit Kommentaren versehen sind sowie weitere Erläuterungen gegeben werden.
Ergänzung vom 30.06.2009
DVV testet neue Libero-Regel
Der DVV teilte heute über seinen News-Dienst (hier eingebunden als RSS-Feed) seinen Test einer weiteren Neuerung der ohnehin neuen Libero-Regel mit. Ich bin so frei und erlaube mir, die vollständige Nachricht hier wiederzugeben:
Die FIVB hat in der vorigen Woche beschlossen, eine weitere Änderung der gerade neu gefassten Libero-Regeln zu testen. Diese Änderung wird in der kommenden Spielzeit auch in der CEV und - nach einem heutigen Beschluss des DVV-Vorstandes - auch im gesamten Spielverkehr des DVV in der Saison 2009/2010 testweise angewendet.
Die Änderung betrifft den Fall, dass eine Mannschaft mit 2 Liberos spielt. Es gilt dann:
Die beiden Liberos agieren "gleichberechtigt": In jeder Eintausch-Aktion kann jeweils der eine oder der andere Libero auf das Feld kommen. Es darf immer nur höchstens ein Libero auf dem Feld stehen. Weitere Einzelheiten zu dieser Regel werden noch veröffentlicht.
Aufgrund der Kurzfristigkeit behalten sich DVV-Vorstand und DVJ die Entscheidung vor, diese Regelung ebenfalls vollständig im Jugendspielverkehr zu testen.
Das derzeitige (neue) Regelwerk, wie es in der bald erscheinenden 44. Auflage des Regelbuchs beschrieben wird, ist nicht geändert. Es handelt sich hier um einen Test. Ob und in welcher Form die getestete Regelung von der FIVB als Regeländerung beschlossen werden wird, muss abgewartet werden.
Meine Einschätzung:
"Im gesamten Spielverkehr des DVV" heißt, dass sich dieser Test auch auf 'uns' bezieht, also auf die Herren-Bezirksklasse sowie auf die Hobby-Mixed-Liga. Möglicherweise steht es dem jeweiligen Staffelleiter zu / frei, die Staffel am Test zu beteiligen oder davon auszuschließen.
Ich muss gestehen, dass ich die neue 2-Libero-Regel ursprünglich so verstand, wie sie nun getestet wird. Ich persönlich halte diese getestete Regel für interessanter als die "Ersatz-Libero"-Variante.
| Anhang | Größe |
|---|---|
| Regelinformation-06-09.pdf | 79.52 KB |



Kommentare
Ich fühle mich geehrt und geschmeichelt: Der SV Lampertswalde verweist hinsichtlich der in dieser Saison eingeführten Regeländerungen auf diesen meinen Artikel als "etwas verständlicher" als die offizielle Verlautbarung.